Haltungskennzeichnung für Fleisch und Milch

Warum brauchen wir eine verbindliche Haltungskennzeichnung?

Das Lebensmittel-Konsumbewusstsein europäischer Bürger ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Verbraucher legen Wert darauf, dass ihr Essen aus nachhaltigem Anbau oder aus ethisch vertretbaren Tierhaltungssystemen stammt. Für die meisten Verbraucher bedeutet Tierwohl Freilandhaltung und dass die Tiere ihre arteigenen Verhaltensweisen ausleben können, wie Grasen, Wühlen und Scharren. Dies nutzt die Lebensmittelindustrie schamlos aus, indem sie Abbildungen von grasenden Kühen und glücklichen Freilandschweinen auf Lebensmittelverpackungen drucken lässt. Durch diese Art der Verbrauchertäuschung wird es Konsumenten schwer gemacht, eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen.

Eine europaweite Verbraucherbefragung hat ergeben, dass 75 Prozent der Verbraucher sich eine einfache und klare Kennzeichnung von Fleisch- und Milchprodukten wünschen, denn viele der 3000 Befragten waren nicht in der Lage, die Lebensbedingungen der Tiere anhand der Produktverpackung einzuordnen.




Wie kann eine Kennzeichnung beim Fleisch aussehen?

Eine Kennzeichnung von Milch- und Fleischprodukten sollte klar verständlich und schnell erkennbar darstellen, aus welchem Haltungssystem das Tier stammt, dessen Milch oder Fleisch wir konsumieren. So kann der Verbraucher selbst entscheiden, welche Form der Tierhaltung er mit seinem Kauf unterstützt. Möglich wäre dies mit einer bereits etablierten Einstufung in 4 Kategorien von 0-3, am Vorbild der Eier-Kennzeichnung.

Bei Fleisch-und Milchprodukten könnte so der Verbraucher unter 4 Kategorien wählen.

-  0: ökologische Erzeugung
-  1: die Freilandhaltung
-  2: deutlich mehr Auslauf und Platzangebot

-  3: Tierhaltung nach gesetzlichem Mindeststandard

So könnte eine flächendeckende Transparenz der Haltungssysteme sichergestellt und Verbrauchern eine echte Vergleichsmöglichkeit geboten werden, die gleichzeitig zu mehr Tierwohl-Bewusstsein führen wird. Ein positiver und notwendiger Effekt der verpflichtenden Haltungskennzeichnung ist der Einfluss auf die Preisgestaltung. Der Mehrwert bei Kategorie 0 bis 2 ist deutlich erkennbar und die umgesetzten Tierwohlmaßnahmen rechtfertigen einen höheren Verkaufspreis.

Es gibt doch schon so viele Label und Siegel, reicht das denn nicht?

Nur wenige Verbraucher kennen einzelne Tierwohl-Label oder Siegel und wissen für welche Art der Tierhaltung diese stehen. Viele Tierwohlkennzeichnungen sind verwirrend und irreführend. Die genaue Bedeutung der Symbole muss daher vom Käufer recherchiert und überprüft werden. Diese Maßnahmen gehen im Alltagsstress unter. Der Verbraucher tappt weiterhin im Dunkeln und greift daher zum günstigsten Produkt, da ein gesicherter Mehrwert nicht erkennbar ist. Die verpflichtende Haltungskennzeichnung schafft Transparenz und Vertrauen, denn Sie ist kein privatwirtschaftliches Instrument, das darauf abzielt, ein Nischenprodukt auszuzeichnen, sondern um eine Differenzierung am Milch- und Fleischmarkt zu provozieren. Trotzdem steht sie nicht in Konkurrenz zu bestehenden Labels und Siegeln. Im Gegenteil, weitere positive Produkt-Kriterien von seriösen Labeln, wie Bioland oder Demeter sichern zum hohen Tierwohlstandard auch noch ökologische Vorteile.

Was bringt eine Haltungskennzeichnung für die Landwirte?

Derzeit wird eine tiergerechte Haltung nur in seltenen Fällen entlohnt. Dies trifft für Direktvermarkter und Hofläden zu, die ihre Betriebe für Kunden öffnen. Hier kann sich der sehr engagierte Verbraucher selbst ein Bild von den Lebensbedingungen der Tiere machen, deren Produkte er konsumiert. Doch viele Landwirte, die in bessere Haltungssysteme für ihre Tiere investiert haben, können dies nicht vermitteln. Ihre Produkte gehen in den Fleischmassen der Großhändler und Discountern unter und müssen sich dem dortigen Preiskampf beugen. Mit einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung würden Landwirte endlich für ihre Bemühungen entlohnt werden. Zudem entstünde damit auch ein Anreiz für tierhaltende Betriebe, noch mehr Tierwohl umzusetzen und somit in eine bessere Kategorie aufzusteigen.

Doch am allerwichtigsten ist, dass eine verbindliche Haltungskennzeichnung das tägliche Leben von Millionen „Nutz“tieren bedeutend verbessern würde, denn wir sind sicher, dass Verbraucher sich dann für ein ethisch vertretbares Produkt entscheiden werden.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir werden unseren Entwurf zur Ausgestaltung einer gesetzlichen Haltungskennzeichnung bei Politik, Lebensmitteleinzelhandel, Landwirtschaft und Verbraucherinitiativen vorlegen. Wir werden uns den Argumenten der Gegner aus Politik und Handel stellen und Lösungswege zur Umsetzung aufzeigen. Wir werden Verbündete finden, die uns auf diesem  Weg begleiten, denn die Forderung nach einer transparenten und flächendeckenden Kennzeichnung von tierischen Produkten wird täglich lauter. 

 

Sie möchten mit uns über die Haltungskennzeichnung sprechen oder haben weitere Fragen?
 

 


Angela Dinter

Qualitätsmanagerin und Auditorin (Fleischhygiene und Schlachtung)

Fachreferentin (Schwerpunkt Schweine)

Telefon: 0431.24828-19

E-Mail: dinter@provieh.de

 

Stefanie Pöpken

Diplom-Agraringenieurin

Fachreferentin (Schwerpunkt Geflügel und Rinder)

Telefon: 0431. 24828-14

E-Mail: poepken@provieh.de



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© Fotos: oben und mitte PROVIEH, unten pixabay By_Jo


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